Mediale Auferstehung

Veröffentlicht auf von Kommentatorin Inga Lück

Papier ist ein Begriff der Nostalgie. Nur noch mobile Devices informieren über das Weltgeschehen. Per Klick die Updates der Politik checken. Es bedarf nur einer Sekunde, um die Pressemitteilung für ein Millionenpublikum freizugeben. Früher oder später wird sie kommen und uns alle in eine neue Gesellschaft werfen: die Zeitungsapokalypse - mit ungeahnten Folgen.

 

Tageszeitungen veralten. FAZ, die Süddeutsche und andere hochqualitative Blätter lesen nur noch Oma und Opa. Aber was passiert, wenn die Alten nicht mehr da sind? Die tiefgründige Recherche könnte mit ihnen IMG_1520.JPGsterben, die bisher in schön strukturierten Artikeln abgepackt war.

Gegenfrage: Warum muss Zeitung Print sein? Noch sinken die Abonements der Lokalblätter kaum. Ihre Bedeutung bleibt unumstritten. Denn sie schreiben von den Dingen, die die Menschen direkt betreffen und interessieren.

Diese Form des Journalismus wird überleben, auch wenn sie nicht auf Papier steht. Sie wird schwarz auf weiß einen festen Platz im World Wide Web bekommen. Zwar ist die Internetkompetenz noch nicht in allen Altersklassen vertreten, das wird sich aber ändern. Die Rentner von morgen werden googlen und twittern. Sie werden im WWW nach News aus ihrer Stadt und ihrem Kreis suchen – und finden. Für diese Generation, zu der auch wir gehören werden, sind Tablet-PCs und Smartphones praktisch. Praktischer als Zeitungen im Zwei-Meter-Format.

Es wird sich aber weit mehr ändern. Noch wird die klägliche Bildung unserer Jugend in der Pisastudie jedes Jahr aufs Neue angeprangert. Über das Weltgeschehen informiert? Nein, die neuesten Posts bei Facebook sind viel bedeutender: Sexy Boys und heiße Girls stalken, so einfach wie noch nie. Schminktipps oder Mucki-Rezepte auf YouTube – überlebenswichtig. Die Teenies bewegen sich im Internet - aber noch verweilen sie auf den Klatsch- und Tratsch-Seiten. Was liegt da näher, als sie zu Online-Zeitungen zu locken?  Die Präsenz der Newsportale und Lokalredaktionen muss in den Social Networks noch viel größer werden.

Niemand sollte an den alten Traditionen festhalten und sich gegen die neuen Wege sträuben. Nur weil sich etwas verändert, bedeutet das keineswegs den Untergang des Informationskonsums. Der Tod der Printausgaben ist gleichzeitig das Aufblühen der Internetnews. Die Online-Portale gewinnen schon an Lesern, das beweisen die zahlreichen Klicks. Dieser Fortschritt wird auch den Lokaljournalismus mit ins Internet ziehen. (22.30 Uhr)

Werbung

Veröffentlicht in Standpunkte

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post