In der Essensschlange verhungert
Freitagabend, 18 Uhr. Bereits im Erdgeschoss wird man als hungriger Teilnehmer des JPF auf eine schier undurchdringliche Geräuschkulisse aufmerksam. Das freundliche Geplauder, die angeregten Diskussionen und
die Spekulationen um das Abendessen werden nur durch das gelegentliche Piepen der Walkie-Talkies unterbrochen. So leiten uns blecherne „Wir haben ein Computerproblem“ oder „Arne, bitte aufschließen!“ in die ungefähr fünf Kilometer lange Schlange, welche in weiter Ferne links zur im Geheimen verborgenen Essensausgabe führt. Es ist ein wahrlich nervenaufreibender Prozess. Wer ist da denn so unentschlossen, wenn es um die Frage des Brotaufschnitts geht? Man hört Mägen knurren, Jugendliche verlagern ihr Gewicht ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Wie lange stehen die bitte vor dem Brotkorb? Um diese lange Schlange zu verursachen, müssen es Stunden sein. Nur im Schneckentempo schieben wir uns Zentimeter um Zentimeter voran.
Diese Fragen erübrigen sich, als wir nach Tagen endlich um die Ecke biegen - und die eher minimalistisch gehaltene Essensausgabestelle bewundern. Sie ist wirklich winzig. So winzig, dass nicht mal ein schmal gebauter Teenie an ihr Platz hat. Bei hundert Teilnehmern und 30 Teamern ist ein Rückstau natürlich unvermeidbar.
Dafür ist die Theke blitzblank geputzt, was man den Mitarbeiten hoch anrechnen kann. Doch bei vielen Jugendlichen sorgt auch das eher für Verwirrung. Denn ihre Hände fliegen wie Bienen gegen die unsichtbaren Scheiben, nur mit dem sehnsüchtigen Wunsch nach Wurst, Käse, Fleischsalat oder Gurken.
Ist man nun weitgehend versorgt mit seinem Lieblingskäse und dem bevorzugten Brot, dreht man sich erwartungsvoll zu den Sitzgelegenheiten um – und findet ein noch schlimmeres Chaos vor. Der mit Abstand kleinste Raum der Jugendbildungsstätte wurde auserkoren, die Sammelstelle von 130 hungrigen Menschen zu sein, die sich austauschen, essen, durch die Stuhlreihen schieben und gelegentlich Gläser herunterschmeißen.
Doch in einem Raum, der von den Kapazitäten einer Besenkammer entspricht, ist es mit der allgemeinen Entfaltung – sei es die kreative oder die räumliche – gar nicht so einfach. Für Ausweichmöglichkeiten ist zwar gesorgt, doch bei der Organisation der Bierbänke dachten die Teamer wohl eher an 20 Sonnenanbeter als an 60.
Im Endeffekt sind wir alle sattgeworden. Zwar war das Chaos belustigend, doch gestört hat es niemanden. Und so wird es jeden Tag wieder eine Schlange geben, auch beim Frühstück. Zwar mit etwas verschlafenen Gesichtern und verträumten Augen. Die Gespräche kommen um 8:30 Uhr vielleicht auch noch nicht so richtig in die Gänge - doch im Endeffekt will jeder das gleiche: Ein stärkendes Mahl für viele produktive Ideen. (14:30 Uhr)