Von Dämonen und anderen kuriosen Gestalten

Veröffentlicht auf von Katharina Kersten

Wieso ich, verdammt? Es ist, als würde ein Schild an meiner Stirn kleben: Wenn Sie  irgendwelche Sorgen haben, einen Totalschaden oder einfach nichts zu tun, sprechen Sie mich bitte jetzt an.


Kaum trete ich einmal aus der Haustür, werde ich schon von den merkwürdigsten Menschen angesprochen.kat.jpg Auf dem Weg zum Bäcker hockt doch tatsächlich eine ältere Dame mit Perücke am Gehweg und erledigt dort ihr Geschäft. Oder letztens erst: Da war ich mit meiner Freundin im Wald, um ein Shooting mit ihr zu veranstalten. Wir hatten also das Stativ und die Nikon auf die Position gerückt und es dauerte keine fünf Minuten bis eine skurril gekleidete Frau vor uns hielt und die Kamera mit starrem Blick anglotzte. Sie fing an, von ihrer Tochter vorzuschwärmen. Plötzlich erstarrte sie und ihr Blick wurde ganz leer. „Ihr dürft nicht zu lange im Wald bleiben, sobald es dunkel ist, birgt der Wald tausende Gefahren.“ Uns wurde diese seltsame Frau ein wenig unheimlich. Während sie sprach, trat sie einen weiteren Schritt auf uns zu und ihr fischiger Mundgeruch trieb uns beinahe  die Tränen in die Augen. „Meine Freundin wurde letztens von einem Dämon angegriffen.“ Dabei weiteten sich ihre Pupillen und sie fauchte uns an, um dann auf dem Absatz kehrt zu machen, als wäre nie etwas passiert. Wir prusteten los. Einerseits beneiden mich Leute, um ein so aufregendes Leben. Andererseits jedoch wenden sich meine Freunde schon von mir ab. Es ist ihnen zu unheimlich, mit mir auf der Straße von diesen außergewöhnlichen Gestalten angesprochen zu werden. Bahnfahrten werden für mich zur Qual, wenn sie der übelriechende Mann in dem komplett freien Abteil auf den Sitzplatz neben mich quetscht und mich stundenlang über seine neuesten Bekanntschaften zutextet. Auf die Frage hin, warum er mich denn angesprochen habe, antwortet der wildfremde Mann: „Du hast wunderschöne Augen, aber meine sind schöner.“ Was ist nur so falsch an mir? So langsam bin ich echt am Verzweifeln! Vermutlich werde ich jetzt einsam in einer kleinen Wohnung mit 76 Katzen sterben. Dabei kann ich Katzen nicht ausstehen. Vielleicht würde es mir helfen, eine neue Identität anzunehmen oder den Wohnort zu wechseln, besser gleich den Kontinent. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. (14:30 Uhr)

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Veröffentlicht in Glossen

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